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Montag, 7. Juli 2014, 15:49

Zinnbergbau im Fichtelgebirge

Guten Tag zusammen,



ich bin neu in diesem Forum und möchte gern ein Thema aufgreifen, das hier wiederholt diskutiert wurde. Es geht um den Zinnbergbau im Fichtelgebirge, mit dem sich einige von Euch sicher mehr oder weniger stark beschäftigen oder beschäftigt haben. Ich selbst bin Archäometallurge und arbeite zusammen mit einigen Kollegen im Rahmen eines EU geförderten Forschungsprojektes zur Herkunft des bronzezeitlichen Zinns in der Alten Welt. Ihr alle wisst, dass es für die Prähistorie bis heute keine stichhaltigen Nachweise zur Zinngewinnung gibt. Das betrifft das Fichtelgebirge genauso wie das Erzgebirge und die anderen bekannten Zinnlagerstätten bzw. -vorkommen. Um in der Frage weiter voranzukommen, untersuchen wir in unserem Projekt bronzezeitliche Bronze- und Zinngegenstände mittels Isotopen- und Spurenelementmessungen. Vielleicht ist einigen von Euch bekannt, dass man zumindest bei Kupfer und Blei die Rohstoffquellen mit Hilfe der sogenannten Bleiisotopenmethode aufspüren kann. Dabei werden die Verhältnisse der in der Natur natürlich vorkommenden stabilen Isotope des Bleis in den Objekten bestimmt und mit möglichen Erzen verglichen. Das führt unter Umständen zum Erfolg. Bei Zinn funktioniert die Bleiisotopie aber nicht, da Zinnvorkommen nur sehr wenig Blei enthalten. Deshalb versuchen wir das Ganze mit einer neuen Methode und zwar der Zinnisotopie. Zinn besitzt wie Blei auch stabile Isotope, deren Verhältnisse möglicherweise lagerstättenspezifisch sind. Zusammen mit Spurenelementen könnte so eine Identifikation der Zinnlagerstätten möglich werden. Bis es aber so weit ist, muss noch viel Grundlagenarbeit geleistet werden. Das betrifft in erster Linie die (isotopen)geochemische Charakterisierung von Zinnvorkommen, von denen es im Fichtelgebirge ja nicht wenige gibt.



Diese Zinnvorkommen würden wir in unserem Projekt gerne mit den beschriebenen Methoden charakterisieren, sind dabei aber zunächst auf Hilfe angewiesen. Denn wir brauchen für die Analysen Zinnsteinproben aus dem Fichtelgebirge. An diesem Punkt schließen meine Fragen an:



1. Zwar habe ich mir schon einen Überblick verschafft, wo Zinnstein gewaschen wurde, allerdings bin ich natürlich nicht ortskundig. Kennt Ihr jemanden, der sich in der Region mit Zinnseifen auskennt und vielleicht auch selber wäscht bzw. gewaschen hat? Wir planen noch für dieses Jahr eine Exkursion mit Beprobung der Seifen und sind dabei auf Führer angewiesen. Es wäre also großartig, wenn es kompetente Leute gibt!



2. Weiß jemand, wo man eventuell bereits gewaschenen Zinnstein aus dem Fichtelgebirge herbekommt? Soweit ich weiß, haben das diverse Leute schon gemacht. Es würde die Sache erheblich vereinfachen, wenn man auf bereits vorhandenes Material zurückgreifen könnte. Die Mengen die wir brauchen, sind relativ gering.



Ich würde mich freuen, wenn mir jemand Tipps und Anregungen dazu geben könnte.

Ansonsten freue ich mich aber auch auf etwaige Diskussionen zum Thema.



Viele Grüße

Daniel

2

Montag, 7. Juli 2014, 16:49

Ich hab ein paar Kontaktdaten per Mail weitergeleitet.

3

Dienstag, 8. Juli 2014, 08:04

Hallo Georanger und an alle,

vielen Dank für die Kontaktdaten! Das hilft mir schon ein ganzes Stück weiter. Ich versuche einfach mein Glück.

Über den Fortschritt unserer Untersuchungen halte ich Euch gern auf dem Laufenden, da ich davon ausgehe, dass der prähistorische Bergbau für viele hier ein wichtiges Thema ist. Vor dem gleichen Problem des Bergbaunachweises im Altertum stehen wir übrigens auch im Erzgebirge, dessen Zinn- und auch Kupferlagerstätten fraglos interessant waren. Eindeutige Hinweise auf alten Bergbau gibt es dort aber bislang ebenso wenig. Neben dem Fichtelgebirge ist das natürlich eine Region, die für unser Projekt auch von großem Interesse ist. Ansonsten werden in den nächsten Jahren systematisch alle bekannten Zinnlagerstätten bzw. -vorkommen in Europa, im Nahen Osten und in Zentralasien untersucht. Ob uns die Zinnisotopie dabei voranbringt, bleibt aber offen...

Viele Grüße

Daniel

4

Dienstag, 8. Juli 2014, 08:56

Zinnabbau

Hallo Daniel,

ich glaube, dass um 1960 -- 1970 Probebohrungen in der Gegend von Gottsmannsgrün/Berg niedergebracht wurden. Sie suchten Blei- und mgl. Zinnvorkommen.
Dies habe ich von einem Freund und ehem. "Kumpel" erfahren. Er war bei diesen Bohrungen (nach eigenen Angaben) dabei.
Wenn Bedarf, kann ich Kontakt herstellen. Zudem sind in Kretschmann´s Berghistoria die Stollen und Gruben vermerkt.

Gruß Rudolf

5

Dienstag, 8. Juli 2014, 12:06

Hallo Rudolf,

klar. Diesen Hinweis nehme ich doch gerne auf! Du kannst mir den Kontakt ja gerne per Mail zusenden. Mal schauen ob mich das weiterbringt.

Danke und Grüße

Daniel

6

Donnerstag, 10. Juli 2014, 10:13

Zinngewinnung

Hallo Daniel,

im Anhang eine "kleine" Liste über die Orte der Zinngewinnung im Fichtelgebirge/Frankenwald.
Viel Vergnügen. :)

Gruß,

Rudolf
»Rudolf Fischer« hat folgende Datei angehängt:

7

Freitag, 11. Juli 2014, 18:34

Hallo,
es gibt ja auch in vielen Museen mineralogische Sammlungen, die man für die Untersuchungen vielleicht heranziehen könnte. Ich denke da an das Fichtelgebirgsmuseum. Auch Mineraliensammler - und da gibt es viele in der Region - können sicher weiterhelfen.
Gruß Harald

8

Samstag, 12. Juli 2014, 09:51

Was ist mit Klaus Rauh? Der ist doch in Sachen Mineralien sehr stark in der Gegend unterwegs und hat große Fundplatzkenntnisse.
Vater Alfred Rauh ist im AKA.

Gruß Rudolf

9

Montag, 14. Juli 2014, 16:43

Hallo,

an das Fichtelgebirgsmuseum bin ich schon herangetreten. Die haben tatsächlich eine Reihe von interessanten Proben, die wir - wenn wir dürfen - eventuell nutzen werden. An Klaus Rauh habe ich auch schon gedacht, allerdings finde ich von ihm keine Kontaktinformationen. Wenn mich also jemand damit versorgen kann, sage ich nicht nein.

Viele Grüße

Daniel

10

Montag, 14. Juli 2014, 17:15

Klaus Schwerpunkt ist zwar der Goldbergbau auf der Münchberger Masse, aber ich sende die Kontaktdaten per PN zu.

Viele Grüße, Gert

11

Dienstag, 15. Juli 2014, 18:37

Es gibt dazu folgende Info

Mike Haustein
hat vor einigen Jahren die Beprobung der
Zinnseifenlagerstätten im Fichtelgebirge

vorgenommen und die Ergebnisse in seinem

Forschungsbericht
des Landesmuseum für Vorgeschichte

Himmelsscheibe von Nebra
"Der Aufbruch zu neuen Horizonten"
DFG-Projekt FOR550

Isotopengeochemische
Untersuchungen zu möglichen
Zinnquellen der Bronzezeit im Mittelalter

Band | 3
Seite| 28. |Proben-Nr. 45 - 52|Fichtelgebirge|Zinnseifen|Greisenerz

Herausgegeben
Harald Meller
2013

und zum Thema vieles mehr veröffendlicht.

Gute Zeit
Rainer

12

Donnerstag, 17. Juli 2014, 08:51

Guten Morgen,

die Arbeit von Mike Haustein kenne ich natürlich. Schließlich ist die Arbeit in unserem Institut entstanden und stellt die Grundlage für die weitergehenden Forschungen dar. Insgesamt gibt es noch acht Zinnsteinproben (sekundär), was allerdings für eine vernünftige geochemische und isotopische Charakterisierung etwas wenig ist. Deshalb die Suche nach mehr Proben, auch von primären Zinnerzen. Ich freue mich über die vielen Hinweise hier und ich würde unter anderem gern auf das Angebot der Minerale von Eva zurückkommen. Du weißt sicher ganz genau Eva, woher die Minerale stammen? Sind das Primär- oder Sekundärkassiterite? Und was ist mit den Bohrkernen? Weiß man, dass dort Zinnstein drin ist?

Viele Grüße

Daniel

13

Dienstag, 22. Juli 2014, 20:04

Hallo Daniel,

ja, es sind primäre Kassiterite. Leider habe ich in unserer Ausstellung keinen gefunden. Die Gruben, aus denen unsere Minerale stammen, sind uns bekannt und sind primär.
Ja, die Bohrkerne enthalten Zinnstein. Mein Kollege hatte auf unsrer heutigen Kinder-Exkursion, als Anschauungsmaterial, einen kleinen Bohrkern mit dabei. ( Berg / Gottsmannsgrün)
Wie viel Material wäre denn für deine Forschungen notwendig? (Allerdings stammen diese Bohrkerne aus dem Frankenwald bzw. Vogtland und nicht, wie ursprünglich erwünscht, aus dem Fichtelgebirge.)

Liebe Grüße

Eva