Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Forum des Nordoberfränkischen Vereins für Natur-, Geschichts- und Landeskunde e.V.. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Samstag, 4. Januar 2014, 18:25

Stollen - Bunkeranlagen oder gar Beides?

Heute war ich mit einen Kumpel an der Saale unterwegs. Wir fuhren direkt an der Saale von Blankenstein nach Rudolphstein.
Immer wieder sind mir Stolleneingänge aufgefallen, die nun sehr gut verschlossen sind. Mein Bekannte meinte, diese hätten zu "Grenzzeiten" als Bunker etc. gedient.


Meine Frage geht nun an Jörg, als unser militärischer Fachmann.
Waren diese angelegt als Bunker oder fand hier eine Doppelnutzung statt? Früher Bergwerk und dann "Bunker"?

Leider hatte ich keine Knipse dabei!

Liebe Grüße

Eva

Jörg Wurdack

Fortgeschrittener

Beiträge: 431

Wohnort: Mühldorf am Inn, früher Rehau und Schwarzenbach am Wald / Gottsmannsgrün

  • Nachricht senden

2

Sonntag, 5. Januar 2014, 09:04

Hallo Eva,

Nach meinem Kenntnisstand gab es in dem genannten Raum weder Bunker noch militärisch genutzte Stollen. Es waren lediglich einige vorbereitete Sperranlagen vorhanden, meistens ins Form von Straßensprengschächten und einer Träger-Steckschacht-Sperre am westlichen Brückenende der Saalebrücke zwischen Untertiefengrün und Hirschberg.
Ein Teil dieser Anlagen dürfte inzwischen bei Straßenunterhaltungsarbeiten inzwischen zurückgebaut sein. Eine Liste der Sperren für den Nordteil des Landkreises Hof habe ich beigefügt.
Der einzige militärisch vorgesehene "Stollen" im Frankenwald war das Sperrmittellager am Südosthang des Döbrabergs, oberhalb der Strasse Pillmersreuth - Bischofsmühle. Hier lagerten einige Tonnen Spreng- und Zündmittel für die Straßensprengschächte.

Irgendwelche Bunker entlang der Grenze hätten hier auch keinen Sinn gemacht. Eine nachhaltige Verteidigung war hier nie geplant, der ganze Nordbereich des Landkreises Hof zählte zur sog. Verzögerungszone. Bei einem Angriff des Warschauer Paktes hätten die hier eingesetzten NATO-Truppen die vorbereiteten Sperren ausgelöst, hätten an den Sperrstellen zeitlich begrenzt verteidigt und wären bei stärkerem Feinddruck ausgewichen, um ein Verzahnen mit den Feindkräften zu vermeiden. Gerade die stark gewundene Grenze entlang der Saale mit dem tief eingeschnittenen Gelände hätte bei einer durchgehenden Verteidigung den Einsatz starker Truppenteile nötig gemacht, die man nicht verfügbar hatte. Vor allem wäre hier zahlreiche Infanterie nötig gewesen. Vorgesehen waren aber in diesem Raum Teile des 2nd Armored Cavalry Regiments der US-Army. Das war ein Panzeraufklärungsverband, der zwar über eine hohe Feuerkraft und Panzerabwehrfähigkeit verfügte, aber kaum abgesessen kämpfende Truppen hatte.

An weiteren militärischen Vorbereitungen gab es sonst im Raum Hof nur die Kennzeichnung der Brücken mit den sog. "MLC" - Klassen.

Grüsse
Jörg
»Jörg Wurdack« hat folgende Datei angehängt:
Fränkische Wahrheit: Zwei Besatzungsmächte haben wir gehabt - die Amerikaner und die Bayern. Die Amerikaner sind wir los.

3

Sonntag, 5. Januar 2014, 16:22

Hallo Jörg,

besten Dank für deine sehr informativen Erläuterungen und für das PDF. Aufs höchste Interessant. Was aus meinem Beitrag vermutlich nicht hervorgegangen ist, dass wir uns auf "Ostseite" befanden, also im ehemaligen Sperrgebiet. . War es da ähnlich, oder gibt es darüber keine Informationen?

Liebe Grüße

eva

Jörg Wurdack

Fortgeschrittener

Beiträge: 431

Wohnort: Mühldorf am Inn, früher Rehau und Schwarzenbach am Wald / Gottsmannsgrün

  • Nachricht senden

4

Sonntag, 5. Januar 2014, 18:17

Was aus meinem Beitrag vermutlich nicht hervorgegangen ist, dass wir uns auf "Ostseite" befanden, also im ehemaligen Sperrgebiet.

Hallo Eva,

wenn es um den "potentiellen Gegner" geht, sieht die Sache etwas anders aus. Allerdings habe ich hier kaum detaillierte Informationen.
Im Raum Blankenstein - Rudolphstein waren grenznah eine Reihe von Grenztruppen stationiert:
- 4. Grenzkompanie Grenzregiment 10, Blankenstein
- 11. Grenzkompanie Grenzregiment 10, Harra
- 12. Grenzkompanie Grenzregiment 10,Birkenhügel
- 3. Grenzkompanie Grenzregiment 10,Schlegel
Die NVA hatte außerdem ein Wehrkreiskommando in Lobenstein.
Die Heranführung von Angriffs- und Verstärkungskräften in diesen Raum war infrastrukturell vorbereitet. Bei Lobenstein endete der für schwere Kettenfahrzeuge ausgebaute Kettenmarschweg Nr. 15, die grenznahen Bahnhöfe (z..B. Lobenstein, Harra, Blankenstein und Hirschberg) waren als „Entladeräume“ ausgebaut, teilweise waren dort zerlegbare Lade-Rampen eingelagert, um unabhängig von Bahnhöfen schnell Transportzüge mit Panzern entladen zu können.
Angriffsvorbereitungen in diesem Raum sind in Zusammenhang mit Operationsplanungen des Warschauer Paktes aus der Plauener Pforte heraus zu sehen. Hier ging es neben möglichen Vorstössen in Richtung Bayreuth-Nürnberg auch darum, nach Möglichkeit die NATO-Truppen in Nordbayern einzuschließen und zu vernichten.

Quellen dazu:
Naumann, Klaus (Hrsg.): NVA - Anspruch und Wirklichkeit in ausgewählten Dokumenten. Berlin 2000, hier S. 211, 266 – 281, 346, 350

Standortdatenbank der NVA / GSSD des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, http://www.mgfa.de/html/zms_standorte_index.php

Andererseits kann ich mir aus militärischer Sicht kaum vorstellen, das die NVA oder auch die sowjetischen Truppen direkt an der Saale, also im Angesicht des "Feindes" irgendwelche Bunker oder Stollen errichtet hätten. Welchen Sinn hätten hier z.B. Verteidigungsanlagen für eine Armee haben sollen, die bei einem etwaigen Konflikt darauf gedrillt war, den Krieg sofort in Feindesland zu tragen? Auch Versorgungslager kann ich mir direkt an der Grenze nicht denken, die Gefahr dass hier eingelagertes Material durch Feindeinwirkung zerstört worden wäre, dürfte auch den Planern der NVA zu groß gewesen sein.

Grüsse
Jörg
Fränkische Wahrheit: Zwei Besatzungsmächte haben wir gehabt - die Amerikaner und die Bayern. Die Amerikaner sind wir los.

5

Sonntag, 5. Januar 2014, 18:43

Hallo Jörg,

besten Dank für deinen doch, wie ich meine, sehr erschütternden Beitrag.

Komme jetzt direkt ins "Grübeln". Der Bahnhof in Blankstein ist bis heute mehrgleisig.( Die heutige ZPR dürfte sich darüber sehr freuen, denn da fahren jetzt riesige Güterzüge ein)
2 Gleise enden so gut wie direkt am ehemaligen "Kollonnenweg". Und von da ab waren es nur noch höchstens 100 Meter bis zur heutigen "Panoramastrasse". (Welch ein blöder Begriff für einen Strasse, die sich direkt an der deutsch/deutschen Grenze befand und zahlreiche Schaulustige aus ganz Deutschland anlockte)

Und genau 200 Meter weiter in Richtung Blechschmiedenhammer /Lichtenberg, dann eine Trichtersperre.

Macht schon alles Sinn!!

Liebe Grüße

Eva

6

Montag, 6. Januar 2014, 13:34

Blankenstein

Hallo,

Bei Blankenstein ist bergbau nachgewiesen. Ohne die Örtlichkeiten zu kennen, folgende Hinweise:

1) WIKIpedia
2) Hänsel, R.: Ehemaliger Bergbau bei Blankenstein, in: Oberlad, Jg. 5, S. 66-68, Schleiz: 1926 (Hinweis von der Vogtland Bibliothek in Plauen)

Glückauf!

Montanus